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Eurokrise stärkt Export

Der Wertverlust des Euro verunsichert viele Bürger. Doch die Schwäche hat auch ihre Vorteile: Deutsche Produkte werden damit wettbewerbsfähiger auf den Weltmärkten.

Paket mit Euroscheinen

Euro auf Talfahrt: Alle reden vom schwachen Euro. Ob Tageszeitungen oder Fernsehnachrichten − überall ist von der Eurokrise die Rede. »Euroland ist abgebrannt«, titelte gar jüngst der Spiegel. Doch trotz ihres Wertverlusts notiert die europäische Gemeinschaftswährung derzeit noch rund 30 Prozent höher als zu ihrer Einführung. Die von der Börsen-Zeitung befragten Chefökonomen sehen denn auch keinen Grund zur Beunruhigung. Sie taxieren den fairen Wert des Euro ohnehin bei 1,20 Dollar. Die Mehrheit geht sogar davon aus, dass der Euro und die Eurozone gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Niedriger Eurokurs kurbelt Export an

Experten führen dies im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück: Zum einen sind in den einzelnen europäischen Ländern im Gegensatz zu den amerikanischen, japanischen und britischen Staatshaushalten bereits erste Sparprogramme auf dem Weg. Allein die Europäische Union schnürte ein gigantisches Rettungspaket von 750 Milliarden Euro, um die angeschlagenen Mitglieder der Währungsunion zu unterstützen. Zum anderen ist der Kursrückgang des Euro gerade für die Exportnation Deutschland ein Segen: Deutsche Produkte werden außerhalb der Europäischen Union deutlich günstiger, mit der Folge, dass die Produkte auf den Weltmärkten wieder wettbewerbsfähiger werden.

Ein Beispiel für den Erfolg einer niedrigen Währungspolitik ist China: Kritikern zufolge verdankt die Volksrepublik den Titel des Exportweltmeisters überwiegend ihrer künstlich niedrig gehaltenen Währung. »China verweigert eine notwendige Währungsaufwertung und zieht so die weltweite Nachfrage auf sich«, erklärt BayernLB-Volkswirt Jürgen Pfister. Der starke Export wirkt als Treiber für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt. Auch ein im Außenwert schwacher Euro würde diese Wirkung für Deutschland entfalten. Hiermit wird klar: Bei der Panikmache handelt es sich um eine Fehlwahrnehmung der Marktteilnehmer und Medien. Ob also mit hohem oder niedrigem Euro: Der Wert einzelner Produkte auf dem Binnenmarkt ändert sich durch die Währungsschwankungen nicht − auch nicht der Wert von Anlage- und Vorsorgeprodukten wie einer Lebensversicherung.

Schwacher Euro kann den Export stärken

Heiko Lörsch, Hauptgeschäftsstellenleiter, Walldorf

Heiko Lörsch, Hauptgeschäftsstellenleiter, Walldorf: Wenn der Euro an Wert verliert, hört sich das auf den ersten Blick negativ an. Doch in dieser Entwicklung liegen auch Chancen für die heimische Wirtschaft. Jahrelang beklagten sich international tätige Unternehmen über den starken Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung. Handelt ein Betrieb viel mit Asien und den USA, dann gerät der weiche Euro zu einem Vorteil. Denn nun kann das Unternehmen seine Waren im außereuropäischen
Ausland deutlich preiswerter anbieten. Doch nicht nur volle Auftragsbücher könnten eine Folge der Eurokrise sein. Auch die Finanzierung der Unternehmen ist derzeit günstig. Da Deutschland bei Investoren weiter als sicher gilt, sind die Zinsen niedrig. Bleibt es also bei einem Kursrückgang des Euro im moderaten Rahmen, dann sollte Deutschland sowohl beim Export als auch in der Binnenkonjunktur davon profitieren können.

Börsen-Zeitung

»Der Euro (…) kann sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen«

Börsen-Zeitung, 26. Mai 2010

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